Die Zukunft der Doktorabeit

Die Zukunft der Doktorabeit

Ist die Doktorarbeit heute noch nötig?

Der Doktortitel repräsentiert nach wie vor eine erstrebenswerte Auszeichnung, welche in Deutschland ein hohes Ansehen und eine ebenso große Wertschätzung genießt.
In Zeiten von stetig steigenden Leistungserwartungen scheint eine Promotion für viele Studierende das Mittel zum Zweck zu sein, um die nötige Differenzierung von der grauen Masse des Arbeitsmarktes zu erreichen. Doch welchen Wert hat dabei eine Doktorarbeit noch? Welchen wissenschaftlichen Mehrwert kann eine Dissertation in einer Umwelt schaffen, in der bereits vieles erforscht zu sein scheint? Muss die Verlässlichkeit solcher Forschungsergebnisse angezweifelt werden, nachdem Plagiatsskandale öffentlich zur Schau gestellt und den Betroffenen der doch so mühsam erworbene Titel sogar aberkannt wurde?

Nein, so ein Doktor bin ich nicht!

Fest steht, Doktor ist nicht gleich Doktor. Abhängig von dem Gebiet der Promotion und des damit verbundenen Berufsbildes, stehen dem Doktortitel immer noch gesellschaftliche Erwartungshaltungen und auch eine damit verbundene Anerkennung gegenüber. So wird vor allem im Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens gerne jeder Assistenz- oder Facharzt, in seiner Rolle als lebensrettender Akademiker von besonders hohem Niveau, ehrfürchtig von seinen Patienten als „Doktor“ gerufen. Unabhängig dessen, ob der Arzt diesen Titel je erworben hat oder jemals erwerben wird, was sich selbstverständlich nicht negativ auf dessen Kompetenzen im ausgeübten Beruf auswirken muss. Der Doktor ist dennoch untrennbar mit diesem Berufsbild verbunden und das bekannte Kürzel „Dr.“ vor dem Namen bewirkt auch nach wie vor bei vielen Menschen eine erste Assoziation mit dem Berufsbild des Arztes.

Doch weit entfernt! Neben dem hier genannten „Dr. med.“ im Bereich der Ärzte, können auf das akademische Kürzel noch eine Vielzahl weiterer kryptischer Zusätze folgen, welche den Fachbereich des Promovierten klar erkennbar machen. Ein Doctor rerum naturalium darf sich beispielsweise mit dem Zusatz „Dr. rer. Nat.“ schmücken und promovierte seines Zeichens nach im Bereich der Naturwissenschaften. Dieser Doktor hat demnach fachlich weniger mit dem Doktor gemeinsam, welcher in den Krankenhäusern und Arztpraxen anzutreffen ist.

Eines aber haben sie alle gemeinsam. Um an den begehrten Titel zu gelangen, muss jeder Doktorand eine oft mehrere hundert Seiten umfassende wissenschaftliche Arbeit verfassen, die Dissertation oder auch Doktorarbeit. Die Doktorarbeit ist eine selbständig erstellte wissenschaftliche Arbeit, die einen Beitrag zur Forschung im jeweiligen Fachgebiet leistet und dessen Erstellung oft mehrere Jahre umfassen kann.

Der Begriff der Promotion steht dabei im Eigentlichen für die Verleihung des Doktortitels, wohingegen das Promotionsverfahren das Schreiben der Doktorarbeit und die darauf folgende mündliche Prüfung beschreibt. Ein Doktortitel bringt dabei oft bessere Berufschancen und auch ein besseres Einstiegsgehalt mit sich. Doch Doktoranden entgeht in den Jahren des Promotionsverfahrens, in denen sie mit dem Verfassen der Dissertation beschäftigt sind, bereits eine große Menge eines geregelten Einkommens. In dieser Zeit werden sie oftmals wesentlich schlechter als andere Akademiker bezahlt. Mit einem Doktortitel verdient man im Laufe seines Berufslebens zwar mehr, finanziell rentiert sich eine Promotion aber erst mittel- oder langfristig. Promovieren sollte man daher in erster Linie nicht aus rein finanziellen Interessen, sondern aus Freude an der Forschung.

In diesem Sinne ist die Dissertation nach wie vor elementarer Bestandteil des Promotionsverfahrens und der abschließenden Promotion. Sie ist Gegenstand und Grundlage der qualitativen Beurteilung des Erreichten. Ohne geht es nicht, denn das Erforschte will schließlich schriftlich festgehalten und in einer Form zugänglich gemacht werden, welche es auch Dritten erlaubt die Ergebnisse der Arbeit im besten Falle aufzugreifen.

Dabei sollte bedacht werden, dass keine weltverändernden Ergebnisse erzielt werden müssen. Jeder Beitrag zum Forschungsgebiet, mag er auch noch so speziell sein, ermöglicht in der Summe der Forschungen ein Vorankommen im Gesamten.

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass die gesellschaftlichen Ansprüche an manche Berufsfelder, wie das der Ärzte, untrennbar im kollektiven Bewusstsein mit dem Doktortitel verbunden sind. Dies wird weiterhin für viele angehende Ärzte eine verpflichtende Promotion bedeuten, um beruflich voranzukommen. Doch auch im Bereich der Wirtschaft kann festgestellt werden, dass rund die Hälfte der Vorstände der Dax-Unternehmen einen Doktortitel vorweisen können. Wer entschlossen ist und damit klare Ziele verfolgt, der kann und sollte auch heute noch den Weg des Doktoranden beschreiten